Erfahren Sie mehr über hyperlokale Nachrichtenportale von Farhan Mohamed, Chefredakteur und Partner von Daily Hive, einem preisgekrönten, eigenständig gegründeten Start-up, das sich zu einer der am schnellsten wachsenden Nachrichten-, aktuellen Nachrichten- und Lifestyle-Publikationen Kanadas im Internet entwickelt hat.
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Anmerkungen der Redaktion:
- Update: Farhan arbeitet nicht mehr bei Daily Hive und ist derzeit beratend tätig.
- Korrektur: Daily Hive ist derzeit in 7 Städten vertreten, nicht in 5, wie im Podcast erwähnt.
Lies das Transkript:
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Ben Aston Willkommen beim Indie Media Club Podcast. Ich bin Ben Aston, Gründer des Indie Media Club. Unsere Mission ist es, unabhängigen, eigenfinanzierten Medienunternehmer:innen zum Erfolg zu verhelfen – Menschen zu unterstützen, die Inhalte erstellen, promoten und monetarisieren, damit sie das noch besser machen können. Schau dir IndieMedia.club an, um mehr zu erfahren.
Heute habe ich Farhan Mohamed zu Gast. Er ist Chefredakteur und Partner von Daily Hive, eine der jüngsten und am schnellsten wachsenden Nachrichten-, Gesellschafts- und Lifestyle-Plattformen Kanadas. Dieses lokale Startup zählt zu den Top 10 der am schnellsten wachsenden Medien- und Marketingunternehmen des Landes.
Sie haben vor Kurzem die 12-Jahres-Marke erreicht, glaube ich. Sie haben eine Inhouse-Agentur namens ID für Influencer:innen, die digitale Dienstleistungen und Distribution zu monatlichen Leser:innen anbieten – ein wirklich einzigartiges Angebot. Außerdem gibt es Hive, eine Content-Agentur für alle ihre Märkte. Sie haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Farhan, ich freue mich sehr, dass du heute da bist. Danke fürs Kommen.
Farhan Mohamed
Absolut. Es freut mich, dass wir uns unterhalten können.
Ben Aston
Für alle, die zuhören und Daily Hive oder eure Seite und euer Netzwerk nicht kennen: Kannst du kurz erklären, für wen ihr da seid und um welche Art von Inhalten es bei euch geht?
Farhan Mohamed
Natürlich. Wir haben 2008 hier in Vancouver gestartet. Es ging von Anfang an um alles, was lokal passiert – Menschen, Kultur, Sport, Wirtschaft. Dann hat sich das Projekt zu einer Publikation entwickelt, die sich verstärkt auf Nachrichten konzentriert und Journalist:innen eingestellt hat. Heute sind wir in fünf Städten in Kanada und zwei in den USA vertreten. Wir berichten über alles, was in deiner Stadt passiert.
Ben Aston
Als ihr gestartet habt, war das die Idee des Hyperlokalen? War das eine Leidenschaft von dir, oder hast du darin eine Marktlücke gesehen?
Farhan Mohamed
Beides. Die zwei Gründer haben festgestellt, dass es eine Lücke auf dem Medienmarkt gibt – es wurde zu wenig über Lokales berichtet. Das meiste bezog sich auf das große Weltgeschehen und nicht auf Themen, die die Menschen in ihrem Viertel unmittelbar betreffen. Auch als ich dazu kam, habe ich gesehen, dass es zwischen kleinen lokalen Blogs mit einem Artikel pro Tag und den großen Mainstream-Medien, die viele, oft irrelevante Themen abdecken, eine riesige Lücke gab. Genau diese Lücke wollten wir schließen und haben uns damit eine Nische geschaffen.
Ben Aston
Wie sah dein persönlicher Hintergrund in Medien und Publishing aus? Erzähl davon.
Farhan Mohamed
Ich habe ein paar Monate bei Post Media gearbeitet – eine Lokalzeitung hier in Vancouver, Vancouver Sun und Province. Davor war ich tief in der Community aktiv, in Social Media und Marketing. Für mich stand immer die Gemeinde im Mittelpunkt. Seit Tag eins geht es für mich darum, die Community zu stärken, Geschichten zu erzählen, Menschen und Organisationen ins Rampenlicht zu rücken, die das sonst nicht bekommen. Ebenso, wie man aufzeigt, dass es andere in der Community gibt, die Hilfe brauchen oder ähnliche Herausforderungen haben. Das war immer mein Antrieb: Die Community zu stärken.
Ben Aston
Wie habt ihr diese Community aufgebaut und eure Reichweite gesteigert – besonders durch soziale Netzwerke? Was können andere davon lernen?
Farhan Mohamed
Unser Fokus in den frühen Jahren – 2012 bis 2014 – lag voll auf dem Aufbau einer Beziehung zu unserem Publikum. Wir sind neue Wege gegangen, nicht die der traditionellen Medien. Unsere Idee war es, freundschaftlich zu sein – wie jemand, dem man Neuigkeiten und Geschichten anvertraut, von dem man Informationen über die Nachbarschaft bekommt, über neue Restaurants oder gesperrte Straßen wegen eines Unfalls. Wir haben uns als Freund positioniert – und so ist unsere Community gewachsen. Wir haben eine offene Kommunikationslinie aufgebaut, sodass wir nicht nur veröffentlichten, was uns interessiert, sondern auch was unsere Leser:innen bewegt. Wir analysieren, was gut ankommt, holen Feedback, lesen Kommentare und E-Mails und passen uns laufend an.
Es geht um Balance: Manche Inhalte wollen wir veröffentlichen, andere werden von den Leser:innen nachgefragt. Wenn Content nicht funktioniert, wird er geändert oder eingestellt. Wir sind offen und hören zu. Wir sind die Stimme der Community, weil sie uns sagt, was sie will.
Ben Aston
Das verstehe ich redaktionell – Inhalte, die begeistern. Aber wie habt ihr aus taktischer Sicht die Leserschaft gewonnen? Über Content hinaus: Habt ihr auf bezahlte Werbung gesetzt, SEO, andere Methoden, um euch von der Masse abzuheben?
Farhan Mohamed
Unser Ansatz war vor allem Zuhören: Wo sind Lücken? Was fehlt im Angebot? Bei den Olympischen Spielen 2010 haben wir beispielsweise über Kultur, Straßenleben, Partys und Events berichtet statt über die offiziellen Wettbewerbe – das war neu und kam an. Seit Beginn setzen wir auf teilbare Inhalte, die leicht kons umierbar sind. Das Wichtigste bleibt immer: exzellente Inhalte produzieren, die wir selbst gerne lesen würden. Unser Team ist gleichzeitig unsere Zielgruppe.
Ben Aston
War das Wachstum dann vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda und Social Sharing?
Farhan Mohamed
Ja, sicherlich hat uns das Timing geholfen, weil es diese Marktlücke gab und wir etwas angeboten haben, das sonst niemand gemacht hat. Menschen teilten unsere Inhalte gerne, weil sie relevant für ihr Leben waren – auch offline im Gespräch, aber vor allem online über Facebook und Twitter.
Ben Aston
Kannst du grob sagen, wie viel eures Traffics über Social Media, organisch oder direkt kommt?
Farhan Mohamed
Vor fünf bis sieben Jahren kamen ca. 60 bis 75 Prozent unseres Traffics über Social Media. Heute ist der Anteil deutlich geringer, weil mehr Menschen direkt auf die Seite kommen – täglich, morgens beim Aufstehen oder am Arbeitsplatz, um neue Inhalte zu lesen. Natürlich gibt es weiterhin organischen Traffic über Suche/SEO. Wir analysieren die Quellen und passen unsere Strategie an.
Ben Aston
Erzähl uns von den allerersten Tagen. Warst du von Anfang an dabei?
Farhan Mohamed
Ich war nicht von Tag eins an dabei, sondern kam ein paar Jahre später. Ich dachte anfangs, es ist ein großes Unternehmen mit Vollzeit-Mitarbeiter:innen, aber in Wahrheit war es anfangs ein leidenschaftliches Nebenprojekt. Der Wendepunkt kam Ende 2013/Anfang 2014, als die Zahlen stimmten und es Sinn ergab, daraus ein richtiges Unternehmen zu machen. Erst da fokussierten wir uns stärker auf News und bauten Team und Reichweite aus. Es folgten die ersten Werbekunden und von da an entwickelte sich alles sehr dynamisch.
Ben Aston
War das der entscheidende Punkt wegen Reichweite oder Umsatz? Wie hast du entschieden, wann der richtige Zeitpunkt für den Sprung ist?
Farhan Mohamed
Anfangs lag wenig Fokus auf dem Geschäftsmodell: Das Produkt sollte einfach gut sein. Als sich dann Reichweite und Nutzerzahlen entwickelten, wuchs der unternehmerische Gedanke. Nach und nach haben wir den Business-Bereich aufgebaut und als die Zahlen stimmten, entschieden wir uns für den Sprung – zum Glück hat es funktioniert.
Ben Aston
Wie habt ihr die Monetarisierung gestaltet, ohne die Qualität der Inhalte zu kompromittieren?
Farhan Mohamed
Zu Beginn ging es vor allem um Bannerwerbung. Ein bisschen Sponsored Content gab es auch. Aber wir haben immer klar die Grenze gezogen: Inhalte stehen an erster Stelle, Werbung folgt dahinter – und zwar maximal 10 Prozent als Sponsored Content. Höhere Quoten bedeuten zwar mehr Umsatz, aber wir bleiben unserer Linie treu. Die Integrität der Publikation ist für uns entscheidend.
Wir setzen auf kreative Partnerschaften, die redaktionell sinnvoll sind und zum Markenbild passen – Kooperationen, bei denen der Leser nicht das Gefühl hat, es handele sich nur um Werbung, sondern um hochwertigen Inhalt.
Ben Aston
Sind die Monetarisierungsmodelle gleich geblieben, also Sponsored Content und Display Ads?
Farhan Mohamed
Im Großen und Ganzen ja – mittlerweile gibt es aber mehr Produktangebote. Wir suchen immer neue Wege der Monetarisierung, ohne die Integrität des Mediums zu opfern.
Ben Aston
Alles klar, bist du noch da?
Farhan Mohamed
Ja.
Ben Aston
Entschuldige, du warst kurz weg. Du sprachst über verschiedene Produkte. Sind das verschiedene Pakete oder unterschiedliche Arten von Sponsored Content?
Farhan Mohamed
Unterschiedliche Arten, aber auch neue Wege. Wir haben eine große Zielgruppe – was wollen die Menschen? Gibt es Dinge, für die wir Einnahmen generieren können? Wir erproben aktuell viele verschiedene Wege – und schauen, was nach der aktuellen Krise passiert.
Ben Aston
Ihr habt euch weiterentwickelt, von Vancity Buzz über Daily Hive in andere Städte und Märkte. Wie seid ihr die Expansion und die Entwicklung von Kanälen wie dished, mapped, urbanized angegangen?
Farhan Mohamed
2015 haben wir begonnen, nach Calgary zu expandieren, damals noch mit eigener Domain, eigenen Social Channels und eigenem WordPress-Backend – alles separat. Das funktionierte zunächst, aber je mehr Städte und Anfragen dazukamen, desto klarer wurde: Wir müssen konsolidieren. Wir haben uns für Daily Hive als einheitliche Marke, Domain und System entschieden – einfacher, zukunftssicherer. Über die Zeit entwickelten wir immer mehr Inhalte für spezifische Interessen. Da immer mehr Personalisierung gefragt war, haben wir unsere Content-Kategorien stärker gebrandet, mit eigener Farbgebung, eigener Stimme und eigenen Social Accounts – z. B. Dish für Food, Urbanized für Immobilien & Stadtentwicklung. Das hat das Wachstum weiter beflügelt, weil die Leute gezielt ihre Interessen verfolgen konnten. Immer mehr geht es darum, relevante, personalisierte Inhalte bereitzustellen – was sehr gut ankommt.
Ben Aston
Das klingt nach einem reibungslosen Ablauf. Gab es auch Rückschläge? Was war dein größter Fehler – und was hast du daraus gelernt?
Farhan Mohamed
Oh, davon gab es viele! Wir sagen immer: Wir sind eine "Zehn-Jahre-Über-Nacht-Erfolgsgeschichte" – es hat lange gedauert, bis wir hier waren. Wir haben aus vielen Fehlern gelernt, beim Personal, bei Inhalten, Webdesign oder Kommunikation. Die große Lernchance für uns: Mit unserem Business-Hintergrund wollten wir etwas Nachhaltiges schaffen, mussten aber auch journalistische Standards entwickeln – anfangs fehlten die, später haben wir gezielt Leute mit Expertise geholt. Jeden Tag lernen wir dazu und werden besser. Einen einzelnen Fehler kann ich kaum nennen, es gab viele, aber das macht es ja spannend: Einfach ausprobieren und dann anpassen.
Ben Aston
Ein Aspekt ist das Team: Wie hat sich die Struktur verändert, von wenigen zu über 70 Leuten heute?
Farhan Mohamed
Am Anfang lag der Fokus voll auf Inhalten, kaum auf Vertrieb. Mit wachsendem Geschäft merkten wir, dass wir ein größeres Sales-Team brauchten. Dann kamen HR, Finanzen, IT, Design hinzu – anfangs machten wir alles selbst, aber irgendwann braucht man Profis. Man muss Leute holen, die Dinge können, die man selbst nicht beherrscht, um gemeinsam besser zu werden.
Mit dem Wachstum expandiert das Team – von Redakteur:innen, Journalist:innen mit spezifischen Hintergründen, bis heute fast 70 Festangestellte.
Ben Aston
Ich selbst war anfangs allein – heute sind wir 11 Leute und es ist eine Herausforderung, zu entscheiden, wen man wirklich braucht. Trägt man das Risiko, das Unternehmen zu groß zu machen? Wie hast du das abgewogen?
Farhan Mohamed
Wichtig ist, seine Schwächen zu erkennen und bereit zu sein abzugeben. Man kann nicht alles selbst machen. Anfangs habe ich jede Veröffentlichung selbst gesehen, heute mit fast 100 Texten täglich ist das unmöglich. Man muss Spezialist:innen holen, sobald man Wachstum sieht, um nicht aus der Not sondern vorausschauend zu investieren. Pläne zu erstellen ist wichtig, aber bei schnellem Wachstum manchmal kaum einzuhalten – deshalb machen wir auch Quartalspläne und passen laufend an. Und natürlich muss man darauf vertrauen, dass andere ihren Bereich vielleicht besser machen können als man selbst.
Ben Aston
Ihr habt die Werte Herz, Hustle und Menschlichkeit. Wie lebt ihr sie im Team?
Farhan Mohamed
Diese Werte sind zentral: Wer ins Team kommt, muss Herz, Engagement und Demut mitbringen. Jede/r muss kämpfen, nichts wird einem geschenkt – aber man soll auch Mitgefühl und Menschlichkeit zeigen. Besonders in krisenhaften Zeiten wie aktuell achten wir darauf, einander zu unterstützen, flexibel und anpassungsfähig zu bleiben.
Ben Aston
Wie sieht euer Prozess von Strategie über Erstellung bis Veröffentlichung aus – vor allem jetzt, wo alle remote arbeiten?
Farhan Mohamed
Remote Work war für uns simpel: Wir waren es gewöhnt, verteilt zu arbeiten (Slack, Zoom). Wichtig ist, mehr zu kommunizieren. Unser Redaktionsteam mit fast 20 Leuten findet Geschichten, pitcht sie an die Redaktionsleitung, schreibt, übergibt ans Lektorat und stellt sie online – der Prozess ist sehr klar strukturiert.
Ben Aston
Habt ihr spezielle Tools fürs Projektmanagement, etwa für Pitches?
Farhan Mohamed
Wir haben viele Tools ausprobiert (Trello, Airtable), uns aber letztlich für ein einfaches, farbcodiertes Google Spreadsheet für alle Themen entschieden, das das gesamte Team nutzt. So behalten wir Überblick, vermeiden Doppelarbeit und schaffen Transparenz – das stärkt das Teamgefühl.
Ben Aston
Wir nutzen Trello für unsere eher zeitlosen Inhalte. Vielleicht ist die Sichtbarkeit bei aktuellen Nachrichten, wie bei euch, wichtiger. Für euch ist klar: Ist das Thema schon vergeben?
Farhan Mohamed
Airtable wäre schöner, weil man flexibler ist, aber Google Sheets funktioniert für uns am besten.
Ben Aston
Wir passen unser Board auch regelmäßig an – manchmal ist es Zeit für ein neues System. Habt ihr weitere Tools, die euch helfen?
Farhan Mohamed
Slack ist für uns die wichtigste Kommunikationsplattform. Google Suite/Gmail, Zoom – mehr brauchen wir kaum für Zusammenarbeit und Publishing. Zusätzlich gibt es Tools wie TweetDeck und HootSuite für Social Media, aber Team-intern sind das die Haupttools.
Ben Aston
Sehr einfach gehalten – interessant!
Farhan Mohamed
Früher hätten wir mehr Tools genutzt, aber wir haben vereinfacht. Natürlich nutzen wir zusätzlich Analytics, Facebook-Tools fürs Community-Management und recherchieren immer nach neuen Storys. Aber das Kern-Team braucht nicht viel mehr.
Ben Aston
Weißt du, wie viel euch eine Story in der Produktion kostet?
Farhan Mohamed
Im Zeitaufwand lässt sich das schätzen, aber exakte Dollarzahlen nur bei größeren oder von externen Produzierten Inhalten. Die Tagesinhalte erstellt das Team recht effizient (im Schnitt vier bis sechs Texte pro Person am Tag). Für uns lohnt sich eine genaue Kostenrechnung meist nicht.
Ben Aston
Wie entscheidet ihr, wie viel ihr publiziert, und wie bekommt ihr die Balance zwischen Masse und Klasse hin?
Farhan Mohamed
Das entscheidet letztlich das Publikum: Analytics zeigt, was gelesen wird. Manche Dinge schreibt man für die Marke, obwohl sie wenig Reichweite bringen. 90/10-Regel: Vieles ist Klick-Content, damit wir uns 10 % inhaltlich mehr leisten können – die längeren, tieferen Texte. Es geht also um eine Mischung aus Traffic-Treibern und inhaltlich wertvolleren Beiträgen.
Ben Aston
Wir versuchen, weniger, aber dafür bessere Inhalte zu machen und die Erfolgsquote zu erhöhen. Wie geht ihr damit um, dass viele Beiträge wenig Resonanz haben?
Farhan Mohamed
Unsere frühen Entscheidungen haben uns dahin geführt, dass wir heute in manchen Städten als Breaking-News-Quelle gelten und sehr viel produzieren müssen. Wir können uns daher nicht einfach reduzieren, ohne eine zentrale Rolle einzubüßen.
Ben Aston
Kannst du Zahlen nennen – z. B. zu Views und Reichweite?
Farhan Mohamed
Klar – aktuell verzeichnen wir 15 bis 17 Millionen Page Views pro Monat, mit 4,5 bis 5 Millionen Unique Visitors monatlich. Im März war mit Abstand unser stärkster Monat, was vermutlich für viele News-Seiten galt.
Ben Aston
Und wie gut lasst ihr euch monetarisieren, grob?
Farhan Mohamed
Sehr gut – der Großteil wird immer wieder ins Unternehmen reinvestiert, etwa in Neueinstellungen. Die größten Kosten verursachen die Gehälter. Eigentlich wollten wir mal weniger einstellen, sind dann aber doch deutlich schneller gewachsen und haben mehr Leute einstellen müssen als ursprünglich gedacht.
Ben Aston
Was steht demnächst bei euch auf der Agenda – Expansion, neue Kanäle?
Farhan Mohamed
Wir schauen uns weitere Städte und noch gezieltere Personalisierung an. Dazu überlegen wir, wie wir noch näher an die Gesellschaft kommen, neue Regionen, Themen und Communities erschließen können – es gibt immer noch sehr viel, was wir nicht abdecken. Es gibt keine Grenze nach oben, aber genauso stellt sich die Frage: Was können wir streichen oder verändern, um etwas Neues zu ermöglichen?
Ben Aston
Wie definierst du Erfolg? Geht es um Reichweite, Engagement, Umsatz?
Farhan Mohamed
Es ist ein Mix aus vielen Kennzahlen: Reichweitenwachstum, geographische Ausweitung, wiederkehrende Nutzer:innen, Engagement auf Social Media (Facebook, Twitter, Instagram, LinkedIn), Besuchsquellen (direkt, social, organisch), Verweildauer, Tiefe, Umsatz. Jeden Monat analysieren wir ca. 10 bis 20 Metriken und vergleichen diese auch saisonal und zum Vorjahr. Nach Jahren wissen wir, wann gute und schwächere Monate kommen – darauf reagieren wir in der Produktion.
Ben Aston
Rasche Expansion erschwert es, die echten Erfolgsfaktoren zu erkennen. Wir üben uns darin, neben Top-Funnel-KPIs wie Visits auch auf den Beitrag zum Umsatz (Bottom Funnel) zu achten. Veröffentlichungen bringen erst dann Wert, wenn sie tatsächlich Ertrag oder Wachstum schaffen.
Farhan Mohamed
Richtig.
Ben Aston
Was ist dein wichtigster Rat für Mediengründer:innen am Anfang ihrer digitalen Medienreise? Vielleicht ein Fehler oder ein besonders hilfreicher Tipp?
Farhan Mohamed
Ich habe da mehrere Tipps: Finde wirklich deine Nische! Versuch nicht alles für alle zu sein – definiere vielmehr eine ganz spitze Zielgruppe, die du optimal bedienst, und wachse dann daraus heraus. Unser Ansatz war Hyperlokalität – damit haben wir uns profiliert. Investiere außerdem in die höchste Produktqualität, denn aktuell sinkt vielerorts das Niveau. Dokumentiere alles, halte Fehler und Learnings fest – so kannst du später nachvollziehen, wie du Krisen gemeistert hast und daran gewachsen bist. Rückblickend wüsste ich ohne Notizen viele Fehler überhaupt nicht mehr. Notiere dir daher die Entwicklung und die großen wie kleinen Lektionen.
Wir machen beispielsweise ein Quartalsreview mit dem Team: Was lief gut, was schief, was sollten wir ändern? Das ist enorm hilfreich und gibt Orientierung beim Wachstum – und beim Fokussieren auf das, was wirklich zählt. Gerade bei Expansion ist es entscheidend, ganz klar die Zielgruppe zu definieren und nicht für alle alles sein zu wollen. Farhan, vielen Dank für deinen Besuch und das spannende Gespräch!
Farhan Mohamed
Sehr gerne, das Gespräch hat Spaß gemacht.
Ben Aston
Ich hoffe, dir hat die heutige Folge gefallen. Wenn ja, abonniere uns gerne und bleib auf Indiemedia.club in Kontakt. Bis zum nächsten Mal und danke fürs Zuhören!
